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Kein Sturm vor Kap Hoorn!

Ushuaia2-3025

Der südlichste Golfplatz der Welt: Ushuaia/Feuerland

Südlichste Superlative


Eigentlich sollte es eine ganz normale Kreuzfahrt werden. Das heißt, ganz normal war sie denn doch nicht, denn schließlich sollte es ja um Kap Hoorn gehen. Jenes Kap Hoorn, das immerhin der südlichste Punkt der Erde ist, das Ende der Welt sozusagen, einmal von der unbewohnten Antarktis abgesehen. Und so purzelten denn auch während der enttäuschend ruhigen Seefahrt die Superlative gleich reihenweise: der südlichste bewohnte Ort der Erde (Puerto Williams), die südlichste Stadt der Erde (Ushuaia), ja und eben der südlichste Punkt der Erde: Kap Hoorn. Das Grauen der christlichen Seefahrer, der Segler insbesondere, die sie ja bis Anfang des 20. Jahrhunderts fast alle waren, hatte für uns allerdings nur ein laues Lüftchen über; also keine Bekanntschaft mit dem „Kap der Stürme“, dafür aber eine Annäherung bis auf wenige Meter an den gefährlichen Felsen!

Bei unserer Reisevorbereitung bin ich noch auf ein weiteres Superlativ gestoßen: den südlichsten Golfplatz der Welt, und der liegt in Ushuaia, was wie schon erwähnt, die südlichste Stadt der Welt ist. Aber wie dort hin kommen? Nicht, dass er nur unter schwierigen Umständen zu erreichen wäre. Auch nicht, dass er für Gäste nicht bespielbar wäre. Nein, das sind alles keine Hinderungsgründe gewesen. Das Problem war einfach die Zeit. Oder besser: die Prioritätensetzung. Natürlich muss man, einmal am Ende der Welt angekommen, der grandiosen Landschaft seine Aufwartung machen, da hilft alle Golfleidenschaft nichts! Einer solch faszinierenden Landschaft, die einem dort, im südlichsten Zipfel Feuerlands geboten wird (schon wieder ein „südlichster“ Superlativ!) kann sich einfach niemand verschließen. Und so sahen auch wir unsere Chancen als äußerst minimal an, auch noch den südlichsten Golfplatz spielen zu können.

Aber vor Ort sah alles ganz anders aus! Natürlich haben wir die obligate Busrundfahrt durch den einmaligen südlichen Feuerland-Zipfel gemacht, natürlich haben wir auch mit dem Katamaran die Seelöwen- und Kormoran- Felseninseln besucht, natürlich sind wir auf dem stürmischen Beagle-Kanal fast seekrank geworden, alles das haben wir nicht ausgelassen. Doch als sich alle anderen Kreuzfahrer schon mental auf die Blaue Stunde und das Abendessen vorbereiteten, haben wir beiden verrückten Golfer uns ein Taxi gemietet und sind an einem Januar-Spätnachmittag zum Golfplatz am Rio Pipo gefahren. Mehrere glückliche Umstände halfen dabei: ein golfbesessener Kreuzfahrt-Direktor, der uns sein Golfbag geliehen hat (ich hatte den Eindruck, er wäre selber gern mitgefahren!), ein zweites Golfbag, dass sich in den unergründlichen Tiefen des Kreuzfahrtschiffes einfand und schließlich auch noch eine antarktische Sommersonne, die sich erst gegen 22.00 Uhr verabschiedete.

Da draußen am reißenden Rio Pipo erwartete uns dann ein einmaliges Golferlebnis, auch wenn es sich „nur“ um einen 9-Lochplatz handelte (mehr hätten wir an diesem Abend ja auch gar nicht geschafft!). Eingebettet in eine herrliche Gebirgslandschaft, eingezwängt vom allgegenwärtigen Rio Pipo und zusätzlich attackiert durch einen immerwährenden heftigen Wind, fordert dieser Platz auch vom versierten Golfspieler äußerste Konzentration und auch Präzision. Nun mag der aufmerksame Leser fragen: woher weiß der Autor eigentlich das von dem immerwährenden Wind? Er war doch nur einmal, und das auch nur für zwei Stunden vor Ort? Des Rätsels Lösung und der schlüssige Beweis: im kleinen Birdie-Buch ist sogar für jede Bahn die immerwährende (um es noch einmal zu wiederholen) Windrichtung eingezeichnet!

Apropos Birdie-Buch: dessen Mitnahme ist dringend zu empfehlen! Noch nie in meinem langjährigen Golferleben habe ich auf einem Golfplatz so oft herumgerätselt, in welche Richtung ich denn zu spielen habe, was zeitweilig zu einer beträchtlichen Konfusion geführt hat. Nicht gerade hilfreich war dabei die Tatsache, dass sich Scorekarte und Birdiebuch auch noch gelegentlich aufs heftigste widersprachen! Und meine mitgenommenen drei Bälle haben sich auch ziemlich rasch verflüchtigt. Weggetragen vom quirligen Rio Pipo. Zum Glück war es vor mir wohl Anderen ähnlich ergangen, und so halfen mir zwei Beutebälle, die ich am flachen Ufer fand, gerade noch rechtzeitig, einen Abbruch „aus Ballmangel“ zu vermeiden. Ein Glück, dass dieser faszinierende Platz nur neun Löcher hat! Aber das alles tat dem Vergnügen keinen Abbruch. Und so waren wir um eine einmalige Erfahrung und um ein schönes Certificado reicher: wir hatten den südlichsten Golfplatz der Welt gespielt! Außerordentlich höflich sind die südlichsten Golfer auch: sie haben dankenswerterweise unseren Score nicht mit auf der Urkunde vermerkt! Der südlichste Clubmanager der Welt verabschiedete uns dann noch herzlich - auf Deutsch. Der südlichste deutschsprechende Mensch ist er, glaube ich, wohl aber doch nicht: da soll es ja auch noch eine deutsche Forschungsstation in der Antarktis geben. Und die ist so südlich, südlicher geht es aber nun wirklich nicht mehr!

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