Rainer Irrlitz
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Schottische Impressionen
St.Andrews

St. Andrews

Pitlochry

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Schottische Impressionen

Wohl jede Golferin und wohl jeder Golfer träumen davon, einmal in Schottland, sozusagen an der Wiege des Golfsports, einen Golfurlaub zu verbringen. Für einige Mitglieder des Golfclubs Schaumburg, zusammen mit Pro Adrian Powell, erfüllte sich dieser Traum im letzten Jahr. Auch wenn es nicht gelang, auf dem Royal and Ancient Old Course in St. Andrews, dem Golfplatz schlechthin, eine Starzeit zu ergattern, so war doch der auf dem gleichen Gelände liegende Jubilee Course auch nicht zu verachten. Im Layout vergleichbar, natürlich auch den gleichen entsetzlichen Wetterbedingungen ausgesetzt, wehte doch auch ständig der Hauch des ehrfürchtigen, geschichtsträchtigeren großen Bruders herüber. Wenn es doch bloß bei diesem „Hauch“ geblieben wäre! Nicht nur der Verfasser wird sich das ein oder andere mal, wenn gerade mal wieder der Regen mehr waagerecht als senkrecht über den Platz peitschte und aller Wetterschutz zum Spielball der Regen- und Hagelstürme mutierte, ja als selbst die Golftaschen ein Eigenleben zu entwickeln begannen, gefragt haben: „Warum tust du dir das alles an?“. Für – zugegebenermaßen - hohes Greenfee obendrein!

Die Antwort ist einfach: siehe erster Satz oben. Man wird eben seinen Enkeln (falls die sich jemals dafür interessieren werden) berichten können: „Ich habe auf dem heiligen Golf-Gelände in St. Andrews, dort wo Bobby Jones, Bernhard Langer, Tiger Woods gespielt haben, auch gespielt!“ Da gibt man nicht einfach so schnell auf, wie man das vielleicht auf seinem Schaumburger Heimatplatz getan hätte! Das zieht man durch! Da muß man Härte gegen sich selbst zeigen!

Kuriosa gibt es aber auch noch aus St. Andrews zu berichten: da wäre die Sache mit dem pompösen Clubhaus, wo kein normalsterblicher Golfer hineingelassen wird, da wäre die Sache mit dem einsam im Regen stehenden Stuhl mit der Aufschrift „Members only“, da wäre die Sache mit dem heiligen Fairway der Bahnen 1 und 18, über das man einfach mit seinem PKW darüberfahren darf ( hier gilt die Devise: erst nach links schauen und dann nach rechts, was wiederum nichts damit zu tun hat, dass die eigenbrötlerischen Schotten plötzlich, nur um die Engländer zu ärgern, den Rechtsverkehr eingeführt hätten, nein das hat einfach damit zu tun, dass erst die Golfbälle von der Bahn 18 von links geflogen kommen können und dann von der Bahn 1 von rechts), und da wäre schließlich dieses schöne alte Städtchen St. Andrews, in dem einem auf Schritt und Tritt die Historie alter glorreicher Golfzeiten begegnet! Übrigens, wer es doch einmal mit dem „Old Course“ versuchen will: Anmeldung mindestens ein Jahr im voraus, möglichst mit Referenz eines „honorable members“, oder aber auf eine glückliche Hand bei der täglichen Verlosung von (wenigen) Rest-Startzeiten hoffen! Ist Ihnen beim Lesen schon aufgefallen, dass ich überhaupt nichts über unsere Spielergebnisse erwähnt habe? Na, raten sie mal, warum!

Zum Glück gibt es aber noch ca. 550 andere Golfplätze in Schottland, darunter so berühmte Glanzstücke wie den Links-Course in Carnoustie oder aber Gleneagles in den Scottish Highlands (ein Traumplatz!) oder aber Monifieth, einen der ältesten Plätze in Schottland. Und wenn man dann auch noch ein vom Glück verfolgter Mensch ist, wird es dort nicht einmal regnen oder stürmen, oder wenigstens doch nicht die ganze Runde über.

Naja, und wenn man schon einmal in Schottland ist, sollte man natürlich auch dem anderen schottischen Nationalsport huldigen und eine Whisky-Distillery besichtigen. Irgendwie kann man ja die Schotten auch verstehen: bei diesen miserablen Wetterverhältnissen muß man sich schon ab und zu einmal von innen aufwärmen dürfen!

 

Schottische Impressionen (2)

Eigentlich war diesmal alles ganz anders: der Regen kam nicht waagerecht, sondern nur senkrecht. Es regnete auch nicht jeden Tag und wenn es regnete, regnete es nicht während der ganzen Runde. Also bestes (schottisches) Wetter. Und wenn es einmal morgens zu heftig regnete: no problem! Dann spielt man eben nachmittags ab 16.00 Uhr, es ist ja lange genug hell! Die gewonnene Zeit kann man ja gewinnbringend zu einer Whisky-Distillery-Besichtigung nutzen! Soviel zum Wetter. Zum Whisky wäre eigentlich noch viel mehr anzumerken, aber das kann ja schließlich nicht das Thema eines Golf-Reports sein.

Nun kann man ja schottische Impressionen auf die etwas feinere Art, wie etwa im Geneagles-Hotel oder im Athol-Hotel in Pitlochry genießen, man kann sich aber auch der Herausforderung einer etwas schlichteren und abgewohnteren Art der Beherbergung stellen. Eine Variante, für die sich unser Reiseleiter entschieden hatte. (Motto: zu Hause duscht sich´s doch am schönsten!) Zu seiner Ehrenrettung muß jedoch gesagt werden: im Internet sah alles viel schöner aus! Er hatte auch so noch genug zu leiden, nachdem ein überaus aufmerksamer Mitbewerber am ersten Tag auf dem wunderbaren Queens-Course in Gleneagles einen 15. Schläger in seinem Bag entdeckt hatte! Überhaupt war dieser Ausflug zu den Wurzeln des Golfspiels wieder reich an Kuriositäten (und der Chronist muß sich alle Mühe geben, zu vermeiden, dass irgendjemand direkt identifiziert werden kann):

Da war der Fall eines hoch ambitionierten, aber wenig erfolgreichen Spielers, der seinen Ball in einem Erdloch so platzierte, dass der nach dem Schlag plötzlich einen Meter hinter ihm zur Ruhe kam. Da der Versuch, sich selbst dabei zu treffen, fehl schlug, holte er diese Vorhaben ein paar Löcher später erfolgreich nach. Schade, dass ihm einige Tage später ein Hole-in-one versagt blieb, weil der Ball nach 198 yards partout nicht auch noch den letzten inch ins Loch rollen wollte! Wahrscheinlich hat ihn diese Eigenheit des Balles aber vor einer temporären Armut bewahrt! Da war der Fall unseres Whisky-Kenners, der am ersten Abschlag auf dem Golfplatz in Auchterarder sage und schreibe fünf Schläge brauchte, um eine knapp einen Meter hohe Mauer zu überwinden, die sich hinterlistigerweise ausgerechnet vor dem Ladies-Tee aufbäumte! Das war dann also eine „Quintuple-Lady“! (Wofür der Chronist extra im „Dictionary“ nachsehen musste.) Andere waren auf diesem Platz erfolgreicher. So unterspielte sich unser Höchst-Handicapper (33) so kräftig, dass er auf tolle 54 Netto-Schläge kam! Dass er die nächsten Tage dann mit „29“ antreten durfte, ließ ihn unbeeindruckt. Auf dem schweren und steilen Platz  in Pitlochry bestätigte er auch dieses Handicap. Wovon alle anderen Mitreisenden eine ganze Woche lang vergeblich geträumt haben! Ich bin sicher, bevor diese Zeilen gedruckt sind, wird sich ein gnädiger Vorgaben-Ausschuß dieses „Falles“ angenommen haben, auch wenn sich das alles im Ausland, aber immerhin in Gegenwart eines Pros abgespielt hat! Übrigens ist dieser Platz zwar schwer und steil, aber darüber hinaus mit wunderbaren Ausblicken in die Hihglands gesegnet, also: unbedingt hinfahren, falls man dort in der Gegend sein sollte! Gute Kondition ist allerdings Voraussetzung!

Die Schotten sind nicht nur geizig, was womöglich ein Vorurteil sein mag, sie sind auch außerordentlich höflich und freundlich. In Balloch, am Loch Lommond gelegen, waren einige Bewohner bereit, uns zu allen Höhepunkten dieses kleinen Städtchens zu dirigieren, auch wenn sie offensichtlich gar nicht so recht wussten, wo sich der gesuchte Golfplatz „Vale of Leven“ befindet. Vielleicht wollten sie auch nur verhindern, dass wir uns auf diesem „Bergziegen“-Platz (aber mit wunderschönen Ausblicken auf Loch Lommond und die umliegenden Berge!) vor lauter Erschöpfung gegenseitig abschießen, weil man einfach nach 14 oder 15 Bahnen nicht mehr die Energie aufbringt, nach einem Fore-Ruf schnell genug und tief genug in die Hocke zu gehen. Nun hätte man die Sache als reine Inner-Mindener Angelegenheit abtun können, wären der Angreifer nicht ein z.Zt. Clubfremder und das Opfer nicht ein z.Zt. sehr wichtiges Schaumburger Clubmitglied gewesen. Darüber hinaus gab es während der sechs Golftage auch von verschiedenen Mitbewerbern mehrere vergebliche Attacken gegen den Chronisten, wohl aus lauter Angst, in seinem späteren Bericht unangenehm erwähnt zu werden, was hiermit nun doch nicht zu verhindern war!

Am Ende haben alle überlebt, nicht zuletzt dank der Fahrkünste der beiden Fahrer, die sich mit dem teils ungewohnten Linksverkehr bestens zurecht fanden. Und da das eine positive Erwähnung ist, sollten hier auch Namen (Kerstan von P. und Adrian M. P.) lobend genannt werden. Könnte ja sein, wir brauchen die Jungs noch mal für eine spätere Reise! Ganz bestimmt!

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