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November

Im traurigen Monat November war´s,

Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Schaumburg hinüber...

November0202

so ähnlich dichtete Heinrich Heine im Jahre 1844 schon. Naja, er wollte sich natürlich nicht allein mit Schaumburg als Ziel seiner Winterreise zufrieden geben, und doch:

„Das halbe Fürstentum Bückeburg
Blieb mir an den Stiefeln kleben;“...

Und ans Golfspielen wird der große Reimer mangels Möglichkeiten im damaligen Deutschland sicher auch nicht gedacht haben. Andererseits: den Golfplatz in Obernkirchen könnte er schon im Sinn gehabt haben, als er (aus Minden kommend) weiter reimte:

„Ich reiste fort mit Extrapost
Und schöpfte freien Odem
Erst draußen in der freien Natur,
Auf bückeburgschem Boden.“

Na, wie dem auch sei, unsereiner als geringstfügig Golfbesessener denkt eben auch im traurigen Monat November dann doch immer wieder nur an ein und dasselbe. Und so reiste denn ich im traurigen Monat (der in diesem Jahr gar nicht so traurig ausfiel) zum Golfspielen nach Schaumburg hinüber. Auf dem Parkplatz wurde ich schon freudig von Glas-Jürgen (ich nenne mal heute alle Mitspieler in dieser Form, in Anlehnung an einen anderen großen Schreibkünstler.) begrüßt, und, als er schon befürchtete, mit mir alleine spielen zu müssen, da gesellten sich noch Fußball-Horst und etwas später auch noch Tennis-Horst hinzu. So konnte es also ein richtiger schöner Golftag werden...

Die Aufgabenverteilung war schnell gemacht: „Da kannst du doch mal einen schönen Bericht mit Foto draus machen, damit wir auch mal in die Zeitung kommen!“ Zunächst mußte aber erst einmal ein Spielmodus gefunden werden: Mannschafts-Vierball: die beiden Horsts gegen Glas-Jürgen und den Dicken (die Rolle schreib ich mir mal zu, damit sich das später so schön reimt, und damit die anderen nicht beleidigt sind!). Bei der Handicap-Verteilung wurde es plötzlich kompliziert, denn wer sollte an so einem schönen Golftag im sonnigen Monat November die ganzen unterschiedlichen „Vor´s“ ausrechnen? Also gaben der Glas-Jürgen und der Dicke dem Fußball-Horst und dem Tennis-Horst je Loch einen Schlag vor. Gut, alle waren´s einverstanden, schließlich sollte es ja ein schöner Golftag werden. Auf der ersten Bahn lief auch alles ausgeglichen: All square. Doch dann kamen dem Dicken doch Bedenken, von wegen der Fairness und so. Also schlug er vor, jedes Loch Netto nach individuellem und reellem Handicap abzurechnen. Doch das war zuviel der Fairness und sollte sich bitter rächen. Und dabei sollte es doch eigentlich ein so schöner Golftag werden! Mit zunehmender Spieldauer stellte sich mehr und mehr heraus, daß da ein Wolf im Schafspelz mit auf der Runde war. Tennis-Horst hatte in den wenigen Monaten, in denen er nun Golf spielte, so schnell und so gut das Bälleschlagen gelernt, daß er wohl gar keine Gelegenheit mehr hatte, sich ordentlich, und über viele Jahre hinweg, so wie das unsereiner getan hat, herunterzuspielen! Na, was soll ich sagen: da konnten sich Glas-Jürgen und der Dicke noch so mühen und einen Superschlag nach dem anderen hinlegen (jedenfalls stellte sich das für die Beiden so dar), da half auch das Einlochen von außerhalb des (Winter-)Grüns (worüber Glas-Jürgen völlig zu Recht auch sehr stolz war) nichts, gegen dieses Handicap kamen sie nicht an. Und dabei sollte das doch eigentlich so ein schöner Golftag werden! So kam eigentlich, was kommen mußte: am drittletzten Loch lagen Fußball-Horst und Tennis-Horst gegen Glas-Jürgen und den Dicken zwei „auf“.

Die fahle November-Sonne wärmte
ihnen Nacken und auch Rücken,
dem Fußball- und dem Tennis-Horst,
dem Glas-Jürgen und dem Dicken.
Aber der kalte November-Wind
blies Zweien nur ins Gesicht:
dem Dicken und dem Glas-Jürgen nur,
die andern traf er nicht!

(Mein Gott, das reimt sich ja. Heinrich Heine wäre sicher stolz auf mich gewesen!)

Und am vorletzten Loch waren´s dann sogar Vier! Vier „auf“ meine ich. Für Tennis-Horst und Fußball-Horst. Und dabei sollte das doch eigentlich so ein schöner Golftag werden! So richtig dämonisch wurde es aber erst, als der Fußball-Horst vor dem letzten Abschlag den genialen Vorschlag machte: laßt uns doch das letzte Loch doppelt zählen! Da bot sich plötzlich dem Glas-Jürgen und dem Dicken noch eine Chance zu einem ehrenvollen Remis, die sie natürlich nicht ausschlagen wollten, ach, was sage ich, nicht ausschlagen KONNTEN! Aber der aufmerksame Golf-Club-Magazin-Konsument kann sich denken, was nun passierte, ja passieren MUSSTE! Der Glas-Jürgen, der schon seit drei Bahnen darüber grübelte, ob er das Versprechen seiner holden und besseren Hälfte gegenüber, den Gartenmüll heute bestimmt noch wegzubringen, auch einhalten könnte, schlug erstmal einen Ball auf Nimmerwiedersehen ins Gebüsch. Und der Dicke, nun seiner starken Stütze beraubt, konnte gegen die vielen „Vor´s“, die die beiden Horste auch auf dem letzten Loch mitbrachten, auch nichts mehr ausrichten. Das schmähliche Ende mit 8 „unter“ ließ also nicht lange auf sich warten. Und dabei sollte es doch eigentlich ein so schöner Golftag werden!

Na, und mit dem Siegerfoto für Glas-Jürgen wurde es nun auch wieder nichts. Nicht, weil er nun doch  nicht gewonnen hatte und auch nicht, weil er nun blitzschnell - und nachdem er sich noch mit lange vermißten alten Golf-Bekannten verplauschelt hatte und auch noch intensiv seinen am letzten Abschlag verschlagenen Ball suchen mußte - nach Hause eilte. Wegen dem Müll und wegen dem Hausfrieden, versteht sich. Nein, an allen diesen Gründen lag es wirklich nicht: ich hatte einfach gar keinen Foto-Apparat dabei... Vielleicht bin ich aber auch gar nicht auf dem Golfplatz gewesen, im traurigen Monat November?... Vielleicht ist das alles gar nicht wahr?... Vielleicht war alles ganz anders?... Vielleicht war das, diesmal nicht nach Heine, einfach nur „Schaumburg, ein Wintermärchen“?...Vielleicht... Vielleicht... Vielleicht...

 

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