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Durch diese hohle Gasse...

Durch diese hohle Gasse muss er kommen...

Natürlich weiß der aufmerksame Leser und weiß die aufmerksame
Golferin bei dieser Überschrift genau, dass sich der Chronist mal
wieder einem Klassiker zuwendet, einem Klassiker der deutschen
Literatur wohl gemerkt, und einem Stürmer und Dränger obendrein.
Womit wir sofort wieder beim golferischen Hauptthema wären, denn
Stürmern begegnet man ja auf den Golfplätzen auch. Und wenn es
dann Handicap-Stürmer sind, mögen das ja durchaus sympathische,
zumindest aber respektable Golf-Zeitgenossen sein. Mit den Drängern
oder Dränglern sieht das dann schon anders aus. Die mag keiner auf
dem Golfplatz antreffen, wenn sie einem vor lauter Ungeduld in die
Hacksen oder gar andere, empfindsamere Körperteile spielen. Leider
entsteht solche Ungeduld oft auf überfüllten Plätzen (die mögen wir

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auch nicht leiden, vor allem im Urlaub, wenn sie dann noch obendrein sehr teuer sind!) oder, wenn sich ein Trödel-Flight vor einem befindet, der sich zu vornehm ist, andere, schnellere Gruppen, durchspielen zu lassen. Solche Trödler mag auch keiner! Beides sind ganz eindeutig Fälle für die Etikette-Schule! Genauso, wie die äußerst unsympathischen Mitgolfer, die meinen, keine Divots oder Pitch-Marken reparieren zu müssen! Solche Leute gibt es nicht ? Meinen Sie? Dann schlagen Sie mal an der Schaumburger Neun ab und liegen dann in einem der vielen Divots in der Landezone. Wenn dann der zweite Schlag getoppt im Wasser landet, statt sauber getroffen auf dem Grün, dann wissen Sie, wovon ich rede!

Was das jetzt mit dem Klassiker namens Schiller zu tun hat? Gar nichts! Das fiel mir nur so während des Schreibens zum Thema „Stürmen und Dränge(l)n“ ein.

Also zurück zu unserem Herrn von Schiller. Adelig ist er ja erst später geworden, als er reifer wurde und seine Sturm- und Drang-Zeit schon wieder hinter sich gelassen hatte. Während derer er sich zwar mit vielen revolutionären Gedanken herumschlug, aber so revolutionär, das Golfspielen in Stuttgart oder gar in Weimar – dort haben die das ja bis heute immer noch nicht geschafft – einzuführen, nein, so revolutionär war er denn doch nicht! Und in dieser reifen Zeit entstand dann sein Tell! Sie wissen schon, der Tell, der das obige Zitat in der Überschrift verzapft hat! Was mich sofort wieder den Golfer-Leit(d)-Faden aufnehmen lässt.

Man stelle sich vor, man liege mit seinem Ball unspielbar im Wald oder im Buschwerk oder in irgendeiner anderen Schikane, die sich so ein schlauer Golfplatz-Architekt ausgedacht hat. Und Sie sehen nur eine einzige Möglichkeit, da raus zu kommen (wir vernachlässigen mal an dieser Stelle die Alternative, einfach zurückzugehen und einen neuen Ball zu spielen. 28.b und 28.c scheiden auch aus). Nämlich die, die sich aus obigem Zitat ergibt, wenn man es zu Ende liest: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen, es führt kein andrer Weg zum Grün!“ Irgendwo da vorn, da scheint ein Lichtschein durch, da ist irgendwo das Grün und da müßte der Ball doch auch durchgehen! Mit viel Gottvertrauen und noch mehr Wagemut setzen Sie zum Schlage an – und prompt bleibt unser kleines weißes Bällchen an irgend so einem blöden Zweig hängen! Wenn man Stableford spielt, nimmt man dann den Ball einfach auf, sofern man ihn noch findet! Beim Zählspiel wird es dann aber richtig teuer!

So, und nun stellen Sie sich, verehrter Leser, geschätzte Golferin, einfach vor, sie könnten es mit dem Schillerschen Tell halten. Der nimmt seine Armbrust vom Rücken, legt statt des berühmten Pfeilchens ein Golfbällchen in die Laufrinne, spannt durch, nimmt Maß und zieht ab!

Und der Golfball liegt da, wo er eigentlich gleich hingehört hätte: mitten auf dem Grün! Es ist, das zeigt dieses Beispiel wieder einmal, immer eine Frage des richtigen Werkzeuges. Das ist auch die versteckte Botschaft, die uns der anfängliche Stürmer und Dräng(l)er, der spätere Dichterfürst, der Herr Friedrich von Schiller, mit seinem eidgenössischen Freiheitsdrama vermitteln wollte: aufs richtige Werkzeug kommt es an! („Die Axt im Haus erspart den Zimmermann!“ das ist auch so ein Werkzeug-Zitat aus dem Wilhelm Tell). Und eben ohne richtiges Werkzeug tut man sich auch beim Golfen immer wieder so schwer! Dabei brauchte die Regel 28 nur um einen Absatz d) erweitert zu werden, der aus ganzen vier Worten bestehen könnte: „Eine Armbrust ist erlaubt!“ Natürlich müsste auch in solchem Fall ein Strafschlag akzeptiert werden, das versteht sich doch von selbst!

Nun sagen sei nicht: mir passiert das nicht! Da hat sich ja wieder der Chronist einen feinen Quatsch ausgedacht!
Der weiß sich allerdings auf gleicher Gedankenhöhe mit einem anderen klugen Kopf: „Golfspielen ist der Versuch, einen viel zu großen Ball mit völlig ungeeignetem Werkzeug in ein viel zu kleines Loch zu bugsieren“ (oder so ähnlich). Sportverweigerer Winston Churchill wird dieses Zitat zugeschrieben.

Aber wenn das so ein Sportverächter war, ist der wohl doch kein Vorbild für uns besessene Golfer. Herr Schiller bietet an dieser Stelle zwei Möglichkeiten an.
Da wäre die Erste: „Früh übt sich, was ein Meister werden will!“ Wer diesem Weg folgen will, der stellt sich auf die Driving Range und übt, und übt, und übt...
Andere Frohgeister greifen lieber die zweite Möglichkeit a la Schiller auf und marschieren mit seinem „Lied an die Freude“ auf den Lippen und in Erwartung vieler schöner Golfrunden in eine neue Golfsaison hinein...
... Solange, bis wir das erste Mal „Ball unspielbar“ liegen. Und dann wäre so eine kleine Tell´sche Armbrust in der Golftasche gar nicht so verkehrt!

Geben Sie ´s doch zu!

 

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